Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL)
in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg


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Gedanken zum Thema -Häusliche Gewalt-

Ein Beitrag der EFL Kiel

Eskalierende Streitsituationen sind ein häufiges Thema in unseren Paarberatungen. Paare berichten, wie sie einander demütigen und schlimmste Vorwürfe machen. Da gilt es genau hinzuschauen, welche Formen der Gewalt es zwischen dem Paar gibt und klar einzuschreiten, sobald körperliche Gewalt ausgeübt wird.

In der ZEIT erschien neulich ein Artikel mit dem Titel: „Er schlägt sie. Sie bleibt bei ihm". Darin schildert ein Paar, wie sie viele Jahre in einem Kreislauf von Gewalt, Versprechungen und der Hoffnung, dass so etwas nicht wieder vorkommen werde, verstrickt war. Der Artikel macht aufmerksam darauf, wie viele Frauen jährlich von Gewalt betroffen sind und zeigt eindrücklich am Beispiel eines Paares eine häufige Dynamik in Gewaltbeziehungen mit Anteilen von Abhängigkeit. Geschildert wird weiterhin, welche Schritte, Grenzsetzungen und Formen von Verantwortungsübernahme notwendig sind, um aus einem solchen Teufelskreis heraus zu kommen.

Mich hat der Artikel erneut für dieses Thema sensibilisiert und nachdenklich gemacht. Selbstverständlich erleben wir in unseren Beratungen, dass gewalttätiges Verhalten von Männern wie auch Frauen ausgehen kann. Häusliche Gewalt gegen Männer ist noch vielfach tabuisiert oder nicht aus-reichend beachtet. Auf Grundlage des Artikels in der ZEIT und vor dem Aspekt meiner Erfahrungen aus der Täterarbeit, werde ich den Fokus vorrangig auf den Mann als Täter richten; Frauen als Täterinnen seien an der Stelle aber mitbedacht.

Viele Jahre lang, noch bevor ich die Weiterbildung zur psychologischen Beraterin begann, war ich in der Jugendhilfe tätig und arbeitete in dem Zusammenhang oft mit Frauen, Kindern und Männern als Opfer von häuslicher Gewalt zusammen, die schwerste Gewalt- und Beziehungstraumatisierungen erlitten haben und wo Gewalt und sexuelle Übergriffe über Generationen hinweg ein Thema waren. Die Konzepte der Opferhilfe sind mir von daher wohlbekannt.

In den 1990er - Jahren entstanden dann erste Beratungsstellen für die Arbeit mit den Tätern/ Täterinnen.

Zunächst wurde dies angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen auf die Opfer als widersprüchlich wahrgenommen. Für mich bot sich Anfang der 2000er - Jahre die Möglichkeit, in einer Facheinrichtung die Täterarbeit genauer kennenzulernen. Dabei habe ich erfahren, dass der Anteil von Männern weitaus höher ist und der Prozentsatz der Frauen, die per gerichtlicher Auflage zugewiesen sind, sehr gering ausfällt. Auch gab es mehr männliche als weibliche Selbstmelder/-innen. Meines Erachtens ist allerdings von einer höheren Dunkelziffer von Gewalt durch Frauen in Partnerschaften und an Schutzbefohlenen auszugehen.

In der konkreten Arbeit wurde deutlich, dass jeweils ergänzende fachliche Standards in den beiden Ansätzen, der Opferhilfe und der Täterarbeit, zugrunde liegen. Erfahren konnte ich auch, dass die, zumeist betroffenen Frauen, wenn sie sich noch nicht getrennt hatten, sehr erleichtert waren, wenn der Partner Verantwortung für seine Taten übernahm und an einem Programm aus der Täterarbeit teilnahm.

Nachdem ein Mann den ersten Schritt in ein Programm unternommen hat, ist die Prognose als gut zu bezeichnen, wenn er während des Programms schon erste Entscheidungen trifft, sein Leben zu verändern und z.B. den Job wechselt, einen eigenen Therapiebedarf ernst nimmt und sich um weitere Therapie bemüht. Oberstes Ziel in der Arbeit mit Tätern ist Gewaltstopp und Verantwortungsübernahme. Die betroffenen Männer merken, dass sie unerwünschte Gefühle nicht im Griff haben. Scham darüber, was sie ihrer Frau/ ihrer Partnerin und auch den gemeinsamen Kindern angetan haben, stellt sich ein. Ein bedeutsamer Moment ist dann, wenn der Mann wirklich emotional Verantwortung übernimmt, anstatt seine Taten zu bagatellisieren oder die Schuld bei seiner Frau zu suchen. Die Rekonstruktion der Tat bzw. Taten von Gewalt ist ein wichtiger Bestandteil in dieser Arbeit. Es muss für den Täter immer mehr emotional spürbar werden, was er getan hat. Der Wendepunkt aus einer Gewaltspirale heraus ist möglich, wenn der Täter Empathie für das Opfer empfindet.

Wenn Sie Interesse haben, den Artikel in der ZEIT selbst zu lesen, so kann dieser als ZEIT Plus Angebot online bezogen werden. Der Artikel verweist zudem auf die Arbeit des Münchner Informationszentrum für Männer, welches unter anderem einen Sicherheitsplan bei häuslicher Gewalt online gestellt hat. Diesen finden Sie hier. Er gibt konkrete Anregungen wie Sie emotionale Spannungszustände reduzieren können, und welche Regeln anzuwenden sind, damit Streitsituationen nicht eskalieren.