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Homeoffice: Von der Arbeit am Küchentisch und anderen Hürden

Kürzlich las ich in der FAZ einen interessanten Artikel, der sich mit der Situation des Homeoffice in Deutschland befasste, das der Autor als Experiment mit offenem Ergebnis bezeichnet.
Dabei musste ich an ein Gespräch mit einer Freundin denken, die wie so viele andere auch, momentan von zu Hause aus, arbeitet – zumindest in der Theorie. Denn ihr knapp 2-jähriges Kind kann die Kita nicht besuchen und hält sie ordentlich auf Trab. Wenn Frühstück und Abwasch erledigt sind, will der Kleine beschäftigt werden, und klappt sie den Laptop auf, möchte er natürlich auch tippen. Wirklich arbeiten kann sie daher nur, wenn er schläft. Vorher hatte sie sich immer gewünscht, im Homeoffice arbeiten zu können, und ist jetzt richtig überrascht, dass sie sich schon darauf freut, bald wieder ins Büro fahren zu können.

Wenn man sich einmal anschaut, was die Arbeitspsychologie zum Thema Homeoffice geforscht hat, stößt man recht schnell darauf, dass es nicht Fluch oder Segen per se ist, sondern zu beidem gereichen kann, je nachdem wie die Umstände sind.

Der große Vorteil von Homeoffice liegt auf der Hand: es gibt eine größere Flexibilität und Autonomie. Man kann selbst entscheiden, zu welcher Zeit man arbeitet, Fahrtzeiten einsparen und Arbeits- und Privatleben besser in Einklang bringen.

Damit das funktioniert, gilt es, klare Grenzen zu ziehen: Wenn sich Arbeit und Freizeit vermischen und eine „Entgrenzung" stattfindet (d.h. es gibt keinen Feierabend, sondern es droht die Situation, dass man quasi permanent arbeitet), dann leidet nicht nur die Arbeitszufriedenheit, sondern auch die Gesundheit. Erholung und Freizeit sind immens wichtig als Ausgleich, wie z.B. die Forschung der Arbeitspsychologin Prof. Dr. Binnewies aus Münster zeigt. Wem es daran mangelt, der läuft Gefahr, ein Burn-Out-Syndrom zu entwickeln.

Letztendlich hängt es aber auch vom eigenen Typ ab, inwiefern Homeoffice einem entgegenkommt: Conny Herbert Antoni, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Trier, betont, dass gewissenhafte Personen es leichter hätten, mit Homeoffice zurechtzukommen, weil sie ihre Pläne konsistent verfolgten. Sehr sozial orientierte Menschen seien dagegen weniger leistungsfähig, weil ihnen das Zusammensein mit den Kollegen fehle. Und auch Menschen, die sich leicht ablenken lassen, seien zu Hause mehr Verführungen bei weniger sozialer Kontrolle (durch Chef und Kollegen) ausgesetzt.

Meine Freundin indes freut sich, dass sie bald wieder ins Büro fahren kann. Auch wenn dann die Wäsche abends noch auf sie wartet.